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Weithin
sichtbar erstreckt sich bereits Kilometer vor dem Ortseingang
unserer Stadt der
Schloßturm aus der Silouette der Stadt heraus. Das alte Schloß
ist nicht nur geschichtlich denkwürdig, sondern es ist auch
als Baudenkmal von Bedeutung, da es zu den wenigen spätgotischen
Bauwerken gehört, die die eigentümliche Entwicklung des gotischen
Stils in Vorpommern in besonderer Schönheit zeigen.
Die des Ueckermünder Schlosses geht bis in das 12. Jahrhundert
zurück. So wird erwähnt, daß Bogislaw I. und Casimir I.
am Ort im Jahre 1178 einen Landtag abhielten. Dies läßt vermuten,
daß schon in wendischer Zeit ein fürstlicher Wohnsitz bestand.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Schloß im Jahre 1284.
Im Jahre 1295 kam das Gebäude in den Besitz Pommern-Stettins.
Das alte Schloß Ueckermünde war oft Treffpunkt der Edlen des
Landes. Viel Glanz und Pracht wurde entfaltet, wenn sie mit
ihrer Hofgesellschaft zur Jagd oder zum Landtag hierher kamen.Es
gab aber auch viele kriegerische Auseinandersetzungen um die
Stadt. So wurde auch das Schloß im Jahre 1469 von der Belagerung
durch die Brandenburger erfaßt. Zu den wenigen überlieferten
Geschichten zählt die eines Mönches, der sich bei dieser Belagerung
durch die geschickte Bedienung eines groben Geschützes auszeichnete
und so den Belagerern großen Schaden zugefügt hat. Die steinernen
Kanonenkugeln sind noch heute im zu sehen.
Das
Schloß hatte damals ein völlig anderes Aussehen. Es verfügte
mit der Stadtmauer und zwei Gräben über einen doppelten Schutz.
Das Schloß ist auf einer künstlichen Anhöhe errichtet und liegt
in der Nähe der Uecker. Den Fürstengarten konnte man mit einer
Steintreppe erreichen und nördlich der Burganlage befand sich
die Schloßkoppel.
Eine besondere Rolle in der Stadt- und Schloßgeschichte spielte
Herzog Bogislav X.. Es setzte die Neuaufteilung der Länder in
Ämter durch und weilte oft in Ueckermünde. Margarete, die erste
Gemahlin Bogislav X., wohnte während ihrer Trennung auf dem
Schloß Ueckermünde; die zweite Gattin des Herzogs starb hier
1503.
Im
16. Jahrhundert war das Schloß recht baufällig geworden. Große
Teile der mittelalterlichen Burganlage wurden abgerissen. 1546
errichtete Herzog Philipp I. an gleicher Stelle ein neues Schloß.
Vom alten Gebäude ist nur der Bergfried erhalten geblieben.
Der Neubau war dreistöckig und hatte vier Flügel. Nach Überlieferungen
befanden sich im östlichen Flügel die Kirche, im nördlichen
die Wohnstuben und Wirtschaftszimmer, im westlichen der Marstall
und darüber die Kanzlei sowie im heute noch stehenden südlichen
Flügel die Gastzimmer.
Bemerkenswert an diesem Neubau sind das Kreuzgewölbe im Südflügel
und das Sandsteinrelief über demTurmportal. Das Bildnis zeigt
den Bauherren Philipp I. in seitlicher Halbfigur mit Harnisch
und Federbarett (rechts).
Im
17. Jahrhundert spielten sich viele Kämpfe um das Schloß ab.
Den Festungscharakter des Gebäudes nutzend, suchten viele Herzöge
und Feldherren Ueckermünde auf. Nach den Franzburger Verträgen
1627 wurde Pommern beauflagt, acht wallensteinsche Regimenter
aufzunehmen. Davon wurde auch Ueckermünde betroffen und die
Not wuchs grenzenlos an.
In den Folgejahren fiel das Schloß Ueckermünde im Wechsel an
die Schweden und die Preußen.
Das Schloß war stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Das
Mauerwerk war geborsten, die kupfernen Dachrinnen waren herausgerissen
und das Dach fehlte zum Teil. 1662 wurde die Uhr aus dem Turm
entfernt und die Turmspitze wurde in den Jahren 1675 - 1680
abgenommen. 1727 wurden Steine aus dem Schloß zum Bau eines
Brauhauses in Neuhof benutzt und am 3. September 1730 erging
der königliche Befehl, drei Flügel des Schlosses ganz abzubrechen.
Die
Stadt bat im Jahre 1774 darum, das verbliebene Gebäude als Rathaus
nutzen zu dürfen. Erst nach 6 Jahren wurde der Antrag am 24.
August 1780 bewilligt. Es wurde durch den preußischen Staat
ein Anbau errichtet und 1781 wurden Schloß und Anbau der Stadt
feierlich übergeben. Nutzer des Schlosses war außerdem der Militär-
und Justizfiskus, für die Stadt selbst blieb nur ein kleiner
Teil. So erfolgte 1857/58 ein zweistöckiger Anbau aus Steinfachwerk,
der am 30. Januar 1866 zusammen mit dem gesamten Dachstuhl des
Schlosses abbrannte. Umgehend wurden jedoch ein neuer massiver
Anbau errichtet und das Schloßdach erneuert.
Ein Teil des Schlosses wurde immer noch durch den Justizfiskus
genutzt. Da die Stadt den Platz selbst benötigte, überließ man
der Stadt 1907 das Schloß zur alleinigen Nutzung. Am 16. November
1908 brannte die Kuppel des Schloßturmes nieder und zerstörte
dabei auch das auf dem Schloßhof stehende Spritzenhaus. Im Folgejahr
wurde der Schloßturm wieder mit einer Kuppel versehen, die diesmal
geschlossen und 2,70 Meter höher war, als die bisherige.
Im ersten Weltkrieg
wurde das Kupfer der Schloßturmkuppel abgenommen. Sie wurde
provisorisch eingedeckt.
Weiteres Baugeschehen folgte 1923: hier wurde ein einstöckiges
Gebäude an den Ostflügel angebaut und diente als Sparkasse.
Im zweiten Weltkrieg
wurde das Sandsteinrelief über dem Turmportal ausgelagert und
durch einen Abguß ersetzt. Nach Kriegsende gingen die Stadtvertreter
daran, den herrlichen Kreuzgewölbesaal wieder zu einem Sitzungssaal
umzubauen. Vorher war er durch das Ziehen von Zwischenwänden
und das Zumauern der Fenster zum Gefängnis umgestaltet. Im Frühjahr
1948 fand im so umgebauten Saal die erste Sitzung statt.
1950 wurde die
Einrichtung eines Museums im
Schloß angeregt und durch viele Helfer wurden schnell Exponate
zusammengetragen. Das Museum wurde kontinuierlich ausgebaut
und trägt heute den Namen. Es zeigt Exponate aus der Ur- und
Frühgeschichte, der Stadtgeschichte, widmet sich den traditionellen
Handwerkskünsten in der Stadt und hat eine maritime Ausstellung
im Schloßturm. Von dort hat man auch einen herrlichen Blick
über die Altstadt und das Stettiner Haff.
1960 wurde die Stadt 700 Jahre alt. Zu diesem Anlaß wurde der
Belag des Schloßturmes durch Bitumengewebe ersetzt und eine
neue Wetterfahne aufgesetzt.
1986
konnte ein weiterer Anbau an den Ostflügel erfolgen. Hier befindet
sich seit diesem Zeitpunkt das Eheschließungszimmer, nachdem
der alte Raum im Schloßturm dafür zu klein geworden war.
Lange
wurde darum gekämpft, den Schloßturm wieder mit Kupfer eindecken
zu können. Die alte Turmdeckung war so schadhaft, daß das Regenwasser
bereits bis in den Museumsvorraum lief. Gegen die damalige Planwirtschaft
und zahlreiche Beschlüsse, die den Einsatz von Kupferblech untersagten,
setzte sich die Stadt in einem über 5 jährigen Kampf erfolgreich
durch. Am 27. Juli 1988 wurde mit dem Aufbringen einer neuen
Wetterfahne das Kupferdach übergeben.
Seit Beginn der 90er Jahre wurde viel am Schloß investiert.
Die Fenster und die Heizung wurden erneuert, die Fassade neu
gestrichen, das Dach neu gedeckt und der Ratssaal wieder nutzbar
gemacht. In diesem Kreuzgewölbesaal war die städtische Bibliothek
untergebracht, die das Gewölbe gar nicht zur Geltung kommen
ließ. Am 31. Juli 1992 wurde der Saal erstmals wieder öffentlich
genutzt und am 22.10.1992 tagten hier die Stadtvertreter zum
ersten Mal.
Mit
der Neugestaltung des Schloßhofes im Jahre 1996 hat die Stadt
neue Akzente für das Schloß Ueckermünde gesetzt. Aus Anlaß des
450. Jahrestages des Wiederaufbaus des Schlosses fand am 29.
und 30. Juni 1996 ein Schloßfest statt.
Die
Stadt wird auch weiterhin dazu beitragen, daß das Schloß Ueckermünde
als letzter Bau aus dem Besitz der pommerschen Herzöge auf deutschem
Boden erhalten bleibt. Schade, daß die dicken Mauern des Gebäudes
uns nicht noch mehr aus der Geschichte des Schlosses erzählen
können.
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